Rezensionen





24. 08. 2010
Im Kurhaus Bad Teinach

Der Weg des Horns von der

höfischen Jagd in die Oper

Teinach Konzert
Stellten ihrer­ Vielseitigkeit und Genialität unter Beweis:
die vier Hornisten ( von links) Stefan, Norbert, Ingeborg und Thomas Berrang
mit der Moderatorin Kaoru Minamiguchi. Foto: Fisel Foto: Schwarzwälder-Bote

Von Andrea Fisel Bad Teinach-Zavelstein.

Kaum vorstellbar, dass Instrumente, die mit einer solchen Präzision und Vielfalt gespielt wurden, ursprünglich als Signalhörner bei der Jagd gedient hatten und zuweilen noch heute dort eingesetzt werden. Die Vorstellung fiel so manchem Zuhörer sicherlich schwer, wenn er im Konzert des Hornquartetts "Belcorno" im voll besetzten Kursaal Bad Teinach saß und den Klängen der vier, manchmal auch nur drei, Ventilhörner lauschte.

Gespielt wurden die Hörner in wechselnder Ausführung und Besetzung von den Brüdern Stefan Berrang, stellvertretender Solohornist am Nationaltheater Mannheim, und Thomas Berrang, Solohornist beim Polizeimusikkorps Baden-Württemberg. Die Eltern Ingeborg und Norbert Berrang vervollständigten das Quartett. Sie wurden von ihren Söhnen unterrichtet, die ihnen heute noch gestrenge Lehrer sind. Die Moderatorin, selbst Violinistin und seit kurzem Ehefrau von Thomas, Kaoru Minamiguchi, bezeichnete das Hornspielen als "Familienkrankheit".

Die Ursprünge dieses Blechblasinstrumentes liegen in den Parforcehörnern, die als Signalhörner bei höfischen Gesellschaftsjagden gebraucht worden waren oder später auch die Jagdgesellschaft unterhielten. Eine kleine Kostprobe dieses urtümlichen Blasens bekam das Publikum mit einer "Ehrenfanfare" und "Les Pleurs du cerf" (die Tränen des Hirschs) von Rochard Tellier geboten. Aus dem sperrigen Parforcehorn, das den großen Umfang benötigte, damit der reitende Jäger Kopf und Schulter durchstrecken konnte und die Hände zum Reiten frei hatte, wurde das mehrfach gewickelte Naturhorn. Der weiche Ton wurde durch einen größeren Schalltrichter erzeugt und durch das "Stopfen", das Einführen der Hand in die Stürze, wurden chromatische Stufen erzielt. In Mozarts "Duett Nr. 8 Allegro" kam diese Spielweise wunderbar zum Ausdruck.

Mit "Rendezvous de chasse" von Giaccomo Rossini, gespielt auf "historischen" Instrumenten, erlaubten sich die Künstler einen musikalischen Scherz, bei dem sie auf Hörnern Marke Eigenbau aus Gartenschläuchen und Trichtern eine erstaunlich gute Stimmung zustande brachten und durch das Drehen des "Schallbechers" in verschiedene Richtungen piano oder forte erzeugten. Ihr ganzes Können bewiesen die vier Musiker beim Spiel auf den Ventilhörnern, die etwa seit 1830 in ihrer heutigen Bauweise aus Oper und Kammermusik nicht mehr weg zu denken waren. Ob die festliche "Ouverture zur Wassermusik" oder die getragene "Air" von Georg Friedrich Händel, ein romantisches "Adagio" von Anton Richter oder ein lebhaftes "Allegro" aus op.82 von Anton Reicha, immer waren die Harmonien stimmig, die Artikulation klar und das Zusammenspiel exakt. Sauberes Staccato erforderte schnelle Zungenstöße und fließendes legato eine gute Stütze. Engelbert Humperdincks "Abendsegen" aus der Oper "Hänsel und Gretel" setzte Professionalität und Sicherheit in Technik und Ansatz voraus.

Gegen Ende des fast 90­minütigen Konzertes wechselte das Ensemble zur Unter­haltungsmusik und stellte mit Volksweisen, Polka, Tango und Militärmarsch seine ­Vielseitigkeit und Genialität unter Beweis.